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Verdient das Hilfesystem noch den Namen Hilfesystem? Oder anders: Ich sitze im Restaurant und du fragst mich, warum ich Essen bestelle?

Mann alleine im Dunkeln

Einer meiner Klienten, mittlerweile 18 Jahre alt, verzweifelt an unserem sogenannten Hilfesystem. 

Er braucht Unterstützung. Darum suchte er Kontakt zum Sozialamt und erhoffte sich nicht mehr und nicht weniger als Hilfe.

 

Ja, sein Fall ist komplex. 

Ja, neurotypische Menschen können sich nur schwer in neurodivergente Welten hineinversetzen. 

Ja, offensichtlich muss wohl Geld gespart werden…

 

Aber es beschleicht einen der Verdacht, dass womöglich eigentlich gar nicht wirklich geholfen werden will.

 

Mein Klient wünscht sich nichts weniger, als an seinen Themen zu arbeiten, voranzukommen.

 

Also ersucht er um Hilfe, setzt sich Hilfeplangesprächen aus, welche ihn sehr unter Stress setzen und bereits Wochen und Monate im Voraus geplant werden müssen und von denen er sich im Nachgang mehrere Wochen erholen muss.

 

Nach vielem Hin und Her, mannigfaltigen Nachfragen zu Inhalten des zu erhebenden Hilfebedarfes entsteht ein Papier, in welchem sich wirklich niemand mehr zurechtfinden kann. 

Dieses Papier macht Angst. Neben vielen fachlichen und inhaltlichen Fehlern, verlangt es Ziele, welche nicht nur nicht zielführend, sondern definitiv kontraproduktiv sind.

 

So steht unter anderem im Schlusstext, dass mein Klient sich bemühen müsse, „nicht stets so krankheitszentriert zu denken“.

 

Wir lassen jetzt mal außen vor, dass Autismus keine Krankheit ist…

 

Aber er wurde geladen, zu einem Hilfeplangespräch, dass seine Bedarfe ermitteln und passende Hilfen finden sollte… Diese Hilfen benötigt er aufgrund seiner Behinderung. Worüber also hätte er in dem Gespräch sprechen sollen, als über seine Behinderung, seine Barrieren, seine Einschränkungen? Und zum Schluss steht da: er solle sich bemühen, „nicht stets so krankheitszentriert zu denken“?

 

Mein Klient findet hier ein hervorragendes Beispiel:

„Das ist so, als wenn ich ganz schlimm Hunger hätte. Ich habe noch nie in meinem Leben eine volle Mahlzeit gehabt. Nun ist dort ein Restaurant, welches ich betrete, in der Hoffnung, hier etwas zu essen zu bekommen. Ich verlange nicht mein Lieblingsessen, ich habe keine großen Ansprüche, ich möchte einfach nur essen.

Der Restaurant Betreiber kommt und fragt erstaunt, warum ich denn hier nur über Essen reden würde, ich solle besser aufhören, immer nur ans Essen zu denken.

 

Der Restaurant Betreiber sitzt sein Leben lang vor vollen Tellern, an der Quelle. Er kann sich nicht vorstellen, wie es ist, Hunger zu leiden.

 

Er versteht nicht, dass ich vermutlich nicht mehr ans Essen denken würde, wenn ich nicht permanent hungrig wäre.

 

Er schaut mich verwirrt an und sagt:

Nun, insgesamt beschäftigen Sie sich viel zu sehr mit dem Thema Essen. Ich habe eine tolle Idee! Hier: ein Glas Wasser.“

 

 

Was lustig klingt, ist es nicht!

Es ist Alltag in Deutschland!

 

Menschen mit Behinderungen suchen Hilfe im so genannten Hilfesystem.

 

Haben Sie dieses erst mal betreten, so hat man das Gefühl, dass sie im System beschäftigt werden, ohne einer wirklich zielführenden Hilfe wirklich näher zu kommen.

 

Das macht Angst.

Das macht traurig.

Das macht müde.

 

Dieses hier ist nur eine einzige Geschichte aus meinem Alltag in Beratungen und Therapien.

Ich habe nicht Buch darüber geführt, dennoch habe ich das Gefühl, dass diese Zustände aktuell immer schlimmer werden.

 

Es ist gut, dass immer mehr Stimmen laut werden, dass immer mehr Menschen beginnen, sich zu wehren.

 

Ich danke euch, dass ihr meine Blogartikel und Podcasts verfolgt und auch verbreitet.

Teilt bitte gern auch diese Episode nach Kräften.

 

So können wir Menschen wie meinem Klienten hier eine Stimme verleihen. Eine Stimme, welche hoffentlich so viele Menschen wie möglich erreicht!

 

Erzählt uns gerne eure Geschichten!

Bleibt mutig!

Und bleibt neugierig


9 Kommentare


Jason Quang
Jason Quang
27. Juni

Das ist wirklich ein sehr treffender Beitrag, den Sie da verfasst haben. Ich kann Ihre Gedanken dazu nur voll und ganz bestätigen. Wenn ich darüber nachdenke, wie sich die Dinge entwickelt haben, muss ich sagen, dass ich mir auch schon öfter die Frage gestellt habe, ob das aktuelle System seinem Namen noch gerecht wird. Es ist faszinierend, wie Sie das mit dem Restaurantbeispiel auf den Punkt bringen. Das regt wirklich zum Nachdenken an. Ich finde es besonders interessant, wie Sie die Mechanismen hinterfragen. Wenn Sie noch mehr über das verdiente Hilfesystem schreiben würden, fände ich das großartig. Mich würde wirklich interessieren, wie die konkreten Anreize gestaltet sind und ob sie wirklich dazu führen, dass Menschen sich engagieren und etwas Sinnvolles…


DrückGlück

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Seth
Seth
26. Juni

Ich stimme dem Beitrag absolut zu, besonders was die Frage nach dem Sinn eines Hilfesystems angeht. Es ist ein Thema, das mich auch schon länger beschäftigt. Wenn man darüber nachdenkt, fragt man sich schon, ob die bestehenden Systeme wirklich noch ihren Zweck erfüllen. Ich selbst habe anfangs auch Schwierigkeiten gehabt, mich im "Verdient Hilfesystem" zurechtzufinden und bin ehrlich gesagt auch gescheitert. Was mir dabei besonders aufgefallen ist, ist, dass der praktische Nutzen oft auf der Strecke bleibt. Man liest viel über theoretische Ansätze und Konzepte, aber wie das im echten Leben aussieht und wie man es konkret anwendet, wird oft nur am Rande gestreift. Vielleicht fehlt hier noch eine klarere Anleitung oder Beispiele aus der Praxis, die wirklich weiterhelfen. Ich…


coolzino

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Ghita Nang
Ghita Nang
19. Juni

Genau meine Meinung zu diesem Thema! Ich finde es beeindruckend, wie viel Mühe und Arbeit in das aktuelle Hilfesystem gesteckt wurde. Wenn man sich damit auseinandersetzt, merkt man wirklich die Tiefe, die dahinter steckt. Ich persönlich konnte auch schon unglaublich viel daraus mitnehmen und habe viel gelernt, was mir wirklich weitergeholfen hat. Allerdings muss ich auch ehrlich sein: Am Anfang hatte ich durchaus meine Schwierigkeiten damit und musste mich richtig durchbeißen. Es gab Momente, da habe ich mich gefragt, ob ich das jemals richtig verstehen werde. Aber gerade diese Herausforderung hat es dann auch umso lohnenswerter gemacht. Was mir besonders gefällt, ist die Möglichkeit, das Gelernte weiterzugeben. Das ist ein wichtiger Aspekt, der oft unterschätzt wird. Ich bin wirklich gespannt…


Wunderwins Casino

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Ein wirklich spannender Beitrag, der zum Nachdenken anregt! Deine Recherche ist offensichtlich gründlich, und ich schätze den respektvollen Ton, mit dem du das Thema angehst. Deine Ausführungen zum "Hilfesystem" haben mich tatsächlich an eigene Erfahrungen erinnert, besonders an Situationen, in denen man sich fragt, ob die Unterstützung wirklich dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird. Du sprichst einen wichtigen Punkt an: Die theoretische Fundierung ist da, die Argumente sind gut aufbereitet. Aber mir fehlt, ähnlich wie dir, manchmal der praktische Aspekt. Wie sieht die Umsetzung im Alltag aus? Wo hakt es konkret, wenn man vom Konzept zur Realität übergeht. Das ist eine Frage, die mich nicht loslässt und zu der ich gerne noch einmal zurückkehren würde, wenn ich etwas…


Novajackpot

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Vuong
Vuong
17. Juni

Ich sehe das ganz genauso, was das sogenannte Hilfesystem angeht. Deine Gedanken dazu treffen den Nagel auf den Kopf und haben mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Ehrlich gesagt, habe ich das System bisher nie aus dieser Perspektive betrachtet. Letzte Woche erst habe ich eine ähnliche Situation erlebt, die mich bestärkt hat, dass hier dringend etwas geschehen muss. Ich würde mich riesig freuen, wenn du vielleicht einen Folgeartikel dazu veröffentlichst. Es gibt so viele Aspekte, die man noch beleuchten könnte, und deine Art, die Dinge auf den Punkt zu bringen, ist einfach klasse. Vielleicht könntest du dann auch tiefer auf die tatsächlichen Mechanismen eingehen, die dahinterstecken. Das wäre wirklich eine Bereicherung für die Diskussion und ich bin gespannt, was du dazu…


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